Külli Kuusk, Woher kommt das Heil zu uns?
In dem Artikel wird ein kurzer Überblick über die Geschichte und die Hintergründe der Wortfamilie õnnis (Segen) und die mit dem Thema des Segnens verbundenen Übersetzungsprobleme gegeben. Den Mittelpunkt der Betrachtung bildet die Tatsache, dass in der estnischen Begriffsfamilie – im Vergleich zu den biblischen Originalsprachen (griechisch eulogeia, hebräisch barak) – die Benutzungsmöglichkeiten nur teilweise mit denjenigen in den biblischen Originalsprachen übereinstimmen. Im Neuen Testament sind unterschiedliche griechische Wortstämme (eulogeia, makarios, sozo) mit Hilfe der õnnis-Ableitungen übersetzt worden. Die Analyse unterschiedlicher Bibelübersetzungen zeigt, dass bei der Übersetzung der õnnis-Ableitungen die Lutherübersetzung als Maßstab diente. Während die estnischen Bibelforscher im Allgemeinen den Standpunkt vertreten, dass die estnischen Bibelübersetzungen von den Originalsprachen ausgehen, basieren die õnnis-Ableitungen in der estnischen Bibel auf dem Wortgebrauch Luthers.
Marju Lepajõe, Theos bei Plotin
In dem Artikel wird die Problematik der Übersetzung des griechischen Wortes theos ins Estnische behandelt. Die Autorin, die von ihrer eigenen Übersetzungspraxis ausgeht, stellt die „aus eigenen philosophischen Zweifeln entstandene“ Frage, ob theos in den Enneaden von Plotin (204/5–270 n.Chr.) eindeutig und bedingungslos als jumal (Gott) im Estnischen wiedergegeben werden kann. In dem Artikel wird die Übersetzungstradition des Begriffs theos in anderen Sprachen analysiert, sein Auftreten in Plotins Gesamtwerk verfolgt, sowie Plotins Sprachauffassung allgemein beobachtet.
Tarmo Lilleoja, Religious and theological keywords for terminology database
Within the framework of the development program of theological and religious vocabulary in the Estonian language an attempt was made to describe one possible way of creating a system of keywords (or classificators), which would map the system of religious and theological concepts. The descriptive terminology management has been applied and no term formation was involved. Theological concepts are very complex and have different relations on various levels of hierarchical classification. Such multidimensionality can be expressed by the keywords, which provide coordinates to the concepts and which are part of the term-related information together with other data elements. Microsoft Access program was used in order to create the respective database, which allows to insert, store and extract as much keyword-related information as needed.
Peeter Paenurm, Tätigkeit der Liturgischen Kommission der EELK 1991–2005
In der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (EELK) hat die Erneuerung der Gottesdienstordnung und des Kirchenhandbuches eine lange und kontinuierliche Tradition. Sogar in den komplizierten und schwierigen Zeiten der Sowjetokkupation setzten die liturgischen Kommissionen ihre Tätigkeit fort, doch hatte diese Arbeit wenig Aussichten auf perspektivreich. Neue Perspektiven eröffneten sich mit den politischen Umwälzungen Anfang der 1990er Jahre. Im Mai 1991 wurde eine neue liturgische Kommission ins Leben gerufen, die fast 15 Jahre lang (bis November 2005) gewirkt hat. Der Autor, der selber als Sekretär dieser Kommission mitgewirkt hat, beschreibt in dem Artikel die umfangreiche Arbeit der Kommission, ihre größeren Arbeitsfelder und vielfältigen einzelnen Aufgaben, analysiert die aufgetauchten Schwierigkeiten, die gelöst werden konnten und Probleme, deren Bewältigung noch bevorsteht.
Toomas Paul, ´Freiheit´ in der griechischen und in der estnischen Sprache
So wie die Begriffe ´Glück´, ‚Güte´, ´Natur´ oder ´Wirklichkeit´, hat auch der Begriff ‚Freiheit´ eine derart lose urbne Bedeutung, dass eswenige Interpretationen geben kann, die n i c h t unter diesen Begriff passen würden. Geistesgeschichtler unterscheiden schon heute mehr als zweihundert verschiedene Bedeutungen des Begriffes ‚Freiheit´. Freiheit ist die Schöpfung des klassischen Griechenlands. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte wurde ´Freiheit´ als eine maßgebliche Kraft und gleichzeitig als ein Problem der Existenz bewusst gemacht. Zu verschiedenen Zeiten hat man dann das Gebiet der Freiheit unterschiedlich aufgefasst und die christliche Auffassung ist ein Kapitel für sich. Aus Raumgründen können in diesem Artikel nur die früheste, klassische Entwicklungsphase des Begriffes behandelt werden, spätere Begriffsdeutungen werden nur am Rande berührt. Am Ende des Artikels wird von dem Autor auf einige Berührungspunkte und Unterschiede in der antik-griechischen und in der estnischen Freiheitsauffassung hingewiesen, denn eine gründlichere semantische Analyse des estnischen Wortes vabadus (Freiheit) fehlt bis heute.
Ain Riistan, Modelling the language of faith
The article discusses the ways of modelling the language of faith in the different fields of academic study and its implications for theological inquiry. From the viewpoint of theology faith and its expression through language can be analysed in two main subcategories: „the faith what is believed in“ (fides quae creditur) and „the faith which believes” (fides qua creditur). While the difference can be made it is important to stress that these two categories appear always together. For example the models of analytical philosophy of verification and falsification can present the language of faith only as the examples of nonsensical use of language because they fail to take into account that „the faith what is believed in“ is always related to „the faith which believes“ (i.e. the meaning of a given belief is determined not only by its substance but also by the attitude of a believer). John L. Austin’s „speech act“ model helps to see how an attitude of a believing act can determine its meaning. However, the language of faith can also be analysed from the viewpoint of communication and here Roman Jakobson’s model of the functions of language serves theological inquiry particularly well. In the last part of the article this model is used in analysing the two examples of how the act of confessing one’s faith can have simultaneously different layers of meaning depending on the life-situation and intent of a believer.